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Museum / Palais Portia

Museum / Palais Portia

Interessant ist das Barockpalais durch seine Baugeschichte und ebenso durch seine Besitzer:innen und Bewohner:innen. In der Nähe der Residenz bezog der ranghohe Adel repräsentative Palais, so auch in der Pranger Gasse (später: Promenadestraße; heute: Kardinal-Faulhaber-Str. 12). Maria Anna Katharina Gräfin Fugger erwarb für sich und ihren Mann, Paul Reichsgraf Fugger, das Anwesen des Truchsessen Graf Ahaim und ließ dort 1693 vom Hofbaumeister Enrico Zuccalli, dem Vollender der Theatinerkirche und von Schloss Nymphenburg, einen Neubau planen und errichten. Nach dem Tod des Grafen Fugger und der Schenkung an einen ihrer Söhne, Graf Toerring, bewohnte Gräfin Fugger das Haus bis zu ihrem Tod 1726. Neuer Besitzer wurde 1731 Kurfürst Karl Albrecht, der das Haus seiner kurzzeitigen Geliebten Gräfin Topor-Moravicki, einem Kammerfräulein seiner Frau, schenkte und vom Hofarchitekten François de Cuvilliés dekorativ ausstatten ließ. Der überarbeitete auch die Fassade, das einzige, was bei der Bombenzerstörung 1944 von diesem ersten Münchner Palast im italienischen Barockstil erhalten blieb.

1737 heiratete die Besitzerin den Hofkämmerer Johann Anton Fürst Porcia, nach dessen Familie das Palais seitdem benannt ist. Nach dem Tod dieser Besitzerin und Bewohnerin 1789 kam das Gebäude in den Besitz der Familie des Oberhofmeisters von Rechberg; von dessen Sohn, Außenminister Graf Rechberg, kaufte es 1819 die literarisch-musikalische Gesellschaft »Museum«. Für Tanz- und Musikveranstaltungen bauten Hofarchitekt Leo von Klenze und Hofdekorateur Jean Baptiste Métivier im zweiten Stock 1819/20 einen kleinen und einen großen Saal ein, Münchens ersten öffentlichen Konzertsaal. Zum Jubiläum der Gesellschaft 1902 wurde das Haus renoviert, mit Zentralheizung, Belüftung und elektrischem Licht ausgestattet. 1934 wurde es an die Bayerische Vereinsbank verkauft, die nach der Kriegszerstörung 1952 einen Neubau errichtete und noch heute Besitzer des Anwesens ist.

Das Palais Portia wurde im 19. Jahrhundert auch »Museumsgebäude« genannt, und bei den Musikveranstaltungen im »Museumssaal« standen renommierte Interpreten auf dem Programm, auch spielten gelegentlich die Komponisten selbst mit, so Brahms oder Richard Strauss bei den Quartettabenden des Hofkonzertmeisters Benno Walter, Max Reger beteiligte sich am Klavier an zahlreichen Uraufführungen seiner Werke.1

1914 fanden hier drei historisch höchst bedeutsame Tanzereignisse statt: Rudolf von Laban präsentierte im »Museum« drei Demonstrationsabende seiner Schule: am 26. Januar »Tanz – Ton – Wort«, am 11. Februar »Der freie Tanz« sowie am 28. April 1914 »Der freie Tanz – Der Tanz ohne Musik«. Mitwirkende war unter anderen Mary Wigman, die im Februar zum ersten Mal als Choreographin und Tänzerin an die Öffentlichkeit trat: mit ihrem »Hexentanz« und »Lento«.2

Großer Konzert- und Ballsaal der Gesellschaft »Museum« im Palais Portia, nach dem Umbau 1901 | Fotografie | 1901 | © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Großer Konzert- und Ballsaal der Gesellschaft »Museum« im Palais Portia, nach dem Umbau 1901 | Fotografie | 1901 | © Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Palais Portia / Museumsgebäude, Portal | Ansichtskarte, Verlag und Phot. von Susanne Homann, Werkstätte für moderne Lichtbildkunst, Darmstadt. 1909 (Serie I, Nr. 8) | Sammlung Betz, © Munich Dance Histories

Palais Portia / Museumsgebäude, Portal | Ansichtskarte, Verlag und Phot. von Susanne Homann, Werkstätte für moderne Lichtbildkunst, Darmstadt. 1909 (Serie I, Nr. 8) | Sammlung Betz, © Munich Dance Histories

1 Robert Münster: »Musik im ›Museum‹. Ein Streifzug durch 115 Jahre Konzertleben im Palais Portia«. In: »Zwei Münchner Adelspalais« (1984), S. 67–81.

2 Müller (1986), S. 47–49, sowie Dörr (2004), S. 65–68.

Literatur (Auswahl): »Zwei Münchner Adelspalais. Palais Portia. Palais Preysing«. Mit Beiträgen von Gabriele Dischinger, Laurentius Koch OSB, Robert Münster. [hg. von Bayerische Vereinsbank, Zentralabteilung ÖAV], München o. J. [1984].
Konstantin Köppelmann (†) und Dietlind Pedarnig: »Münchner Palais.« Mit Fotografien von Werner Ebnet, München 2016, S. 136–164. Hedwig Müller: »Mary Wigman. Leben und Werk der großen Tänzerin«. Weinheim und Berlin 1986.
Evely Dörr: »Rudolf Laban. Das choreographische Theater«. Die erste vollständige Ausgabe des Labanschen Werkes. Historisch kommentiert, Norderstedt 2004.

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